Deutsch von Marie Rahn
Literaturübersetzerin und Dozentin
Wer hat Carl Rudolf Schiller ermordet, einen weltberühmten Berliner Theologen, dessen Leiche sorgfältig in zwei Hälften zerteilt wurde? Dies ist das Rätsel, das Raphaël Zimmer, ein junger Historiker und Spezialist für den Zweiten Weltkrieg, auf Bitten seines Freundes Félix Werner, eines hartnäckigen Journalisten, zu lösen versucht. Ihre Ermittlungen führen sie von Paris nach Washington, von Rom nach Berlin, auf einer langen Reise durch das europäische Gewissen.
Je weiter sie vordringen, desto mehr Fragmente einer Wahrheit, die sich immer wieder entzieht, liefern jüdische und katholische Theologen, Historiker, Überlebende der Lager, Widerstandskämpfer und ehemalige Kollaborateure. Dann taucht Lisa Perlman auf, eine Bildhauerin von leuchtender Präsenz, in die sich Raphaël verliebt und deren Familie einen entscheidenden Teil des Geheimnisses zu bergen scheint. Hinter dem Mord zeichnet sich eine viel umfassendere Frage ab: die nach der Asche – dem, was bleibt, wenn Namen und Körper ausgelöscht wurden – und die nach dem gestohlenen Gold, dem der Banken und der herausgebrochenen Zähne.
Aufgebaut wie ein Thriller, ist Asche und Gold zugleich eine philosophische Untersuchung über das Böse. Éliette Abécassis hinterfragt darin die oft unscharfe Grenze zwischen Opfer und Täter, das Schweigen und das Sprechen angesichts der Shoah, den Glauben, der standhält, und den, der ins Wanken gerät. Wie manifestiert sich das Böse in der Geschichte, und wie bahnt es sich auch nach der Katastrophe weiter seinen Weg in der Welt?
Als zweiter Roman der Autorin nach dem internationalen Erfolg von Qumran bestätigt dieses Buch die unverkennbare Handschrift von Éliette Abécassis: eine Literatur der Spannung und der Ideen, in der der Thriller zum Mittel wird, um die drängendsten Fragen unserer Zeit zu verhandeln.